Der EdTechReflektor 2.0

Ein Angebot für die pädagogische Reflexion des Einsatzes digitaler Bildungsmedien

Der EdTechReflektor unterstützt Sie dabei, digitale Bildungsmedien aus pädagogischer Perspektive zu analysieren.
Seine Fragen helfen, zentrale Merkmale eines Tools zu erkennen, etwa:

  • wie Lerninhalte aufbereitet sind,
  • wie Lernprozesse gesteuert werden und
  • welches Feedback Lernende erhalten.

Daher eignet sich der EdTechReflektor für digitale Tools, die Inhalte für Lernende vorstrukturiert bereitstellen (z.B. Lernsoftware, Apps).

Anhand der Antworten ergibt sich ein Typenprofil, das zeigt, welche pädagogischen Merkmale im Tool überwiegen: instruktiv-reaktive, adaptiv-unterstützende oder reflexiv-gestaltende.

Ziel ist es, die Auswahl von Lernmedien für SchülerInnen bewusster zu gestalten, Chancen und Grenzen zu erkennen und das Tool gezielt im Unterricht einzusetzen. Ebenso eignet sich der EdTechReflektor auch für die Aus- und Fortbildung pädagogischer Fachkräfte. Dabei kann er auch in Teilen (z.B. nur eine Frage) genutzt werden. Auch die GEW empfiehlt unseren EdTechReflektor als Instrument zur pädagogischen Reflexion digitaler Bildungsmedien. Weitere Informationen zum Hintergrund und der Entstehungsgeschichte des EdTechReflektors finden Sie in diesem frei zugänglichen Buchkapitel von Sigrid Hartong (erschienen 2024 im transcript Verlag).

Während der EdTechReflektor Orientierung im „gigantischen digitalen Dschungel“ (Teilnehmer*in aus Studie zum Instrument) bieten kann, ist die Realität natürlich differenzierter, als ein Typenprofil das wiedergeben könnte. Wir empfehlen daher die Einbettung in die Praxisangebote unserer Mitglieder, zum Beispiel eine Fortbildung zum EdTechReflektor von KritischeDatenBildung oder eine Prozessbegleitung des Instrumenten-Einsatzes durch rePACKtheBAG.


Wie möchten Sie den EdTechReflektor nutzen?

Der schnelle Einstieg:
Nutzen Sie die Onepager-Version des EdTechReflektors als kompakte Checkliste – ideal für Fortbildungen, Workshops oder Kollegiumsgespräche. Sie bietet eine kompakte Übersicht mit den zentralen Reflexionsfragen und eignet sich ideal für den schnellen Einstieg – ohne alle Detailfragen durchzugehen.

Analoge Checkliste Icon

Für die analoge Nutzung:
Die analoge EdTechReflektor Checkliste (PDF) vertieft die Reflexionsfragen und ergänzt sie um einen Tool-Kompass, der mithilfe eines Punktesystems sichtbar macht, wie stark ein Tool die Merkmale der drei pädagogischen Typen erfüllt. So wird auf einen Blick nachvollziehbar, wo die Schwerpunkte liegen – ideal für die gemeinsame Analyse im Kollegium, für Fortbildungen oder zur Entwicklung von Unterrichtskonzepten.

Interaktiver Online-Einsatz:
Die interaktive Online-Version führt Schritt für Schritt durch alle Fragen und liefert am Ende eine automatische Typenzuordnung. So erhalten Sie eine direkte Rückmeldung, welche pädagogischen Merkmale im gewählten Tool dominieren – und können gezielt weiterführende Informationen oder Anregungen abrufen.

Online-Version Icon

Für die vertiefende Auseinandersetzung

Erfahren Sie mehr über die Merkmale der drei pädagogischen Typenprofile, in die der EdTechReflektor Lerntools einordnet.

Instruktiv-reaktive Tools

Ein Tool dieses Typs gibt klare Vorgaben und Aufgabenstrukturen vor, setzt auf Wiederholung und standardisiertes Feedback. Es eignet sich besonders, wenn Lernziele exakt definiert sind und Routine trainiert werden soll. Lehrkräfte können es als verlässlichen Baustein für Übung, Diagnose und Stabilisierung von Wissen nutzen.

Merkmale laut EdTechReflektor:

  • Aufgaben zielen auf Reproduktion und Anwendung innerhalb klarer Rahmen.
  • Lernprozess ist linear organisiert – das System gibt den Weg vor.
  • Feedback erfolgt meist standardisiert (richtig/falsch, Punkte, Rankings).
  • Lernfortschritt wird in Dashboards oder Rankings visualisiert.

Pädagogische Implikationen:

Diese Medien eignen sich besonders für Übungs-, Wiederholungs- und Diagnosesequenzen. Sie bieten externe Struktur und fördern Regelmäßigkeit durch extrinsische Motivatoren. Zugleich bergen sie jedoch das Risiko, Lernprozesse auf Wissenswiedergabe und -details zu reduzieren und wichtige metakognitive Lernstrategien, intrinsische Lernmotivation und Selbstdisziplin zu untergraben. Lehrkräfte sollten daher prüfen, wie sie diese Tools in einen offenen, reflektierten Unterricht einbetten können – z. B. durch anschließende Diskussionen oder Anwendungen im eigenen Kontext.

Reflexionsimpulse:

  • Wie lässt sich der Feedbackmechanismus (Punkte, Rankings) pädagogisch rahmen?
  • Wie stark ist Ihr Unterricht durch das Tool vorstrukturiert?
  • Wo können Sie Freiräume schaffen, um über die Aufgaben hinauszugehen?
  • Unterstützt das Tool tatsächlich Verständnis – oder vor allem Wiederholung?
Adaptiv-unterstützende Tools

Ein adaptiv-unterstützendes Tool bietet Lernenden flexible Wege, passt sich individuellen Lernständen an und liefert erklärendes Feedback. Es fördert selbstgesteuertes Lernen und unterstützt Lehrkräfte dabei, differenzierter zu fördern. Die pädagogische Herausforderung liegt darin, den Algorithmus kritisch zu reflektieren und die Lernprozesse hinter den Zahlen zu interpretieren.

Merkmale laut EdTechReflektor:

  • Aufgaben bieten Anwendungs- oder Analyseformate, gelegentlich auch Transfer.
  • Der Lernprozess ist modular oder teiloffen: SchülerInnen können Aufgabenwege wählen.
  • Feedback ist inhaltlich erklärend, manchmal diagnostisch.
  • Lernfortschritt wird differenziert ausgewertet (z. B. nach Themen oder Aufgaben).

Pädagogische Implikationen:

Adaptive Bildungsmedien fördern individualisiertes Lernen, aber sie modellieren auch sehr spezifische Lernlogiken – häufig algorithmisch gesteuert. Lehrkräfte sollten verstehen, wie das Tool Entscheidungen trifft, und kritisch reflektieren, welches Lernverständnis ihm eingeschrieben ist. Der pädagogische Mehrwert liegt hier weniger in der Steuerung als in der Interpretation und Kontextualisierung der Ergebnisse.

Reflexionsimpulse:

  • Welche ergänzenden Methoden können helfen, Lernende stärker zu reflektieren, statt nur auf ihre Lernergebnisse zu reagieren?
  • Wie „entscheidet“ das Tool, welche Aufgaben oder Hilfen Lernende erhalten?
  • Unterstützt das System tatsächlich individuelle Lernprozesse oder nur vordefinierte Pfade?
  • Wie können Sie Feedback-Informationen pädagogisch deuten und weiterverwenden?
Reflexiv-gestaltende Tools

Ein reflexiv-gestaltendes Tool öffnet Räume für kreative, kooperative oder projektorientierte Lernformen. Lernende können selber gestalten, mitdenken und ihre Lernprozesse mitbestimmen. Lehrkräfte werden hier zu Mitlernenden und Gestaltenden – das Tool ist nicht nur Medium, sondern Lerngegenstand. Es fördert Offenheit, Reflexion und eine neue Rolle im Unterricht.

Merkmale laut EdTechReflektor:

  • Aufgaben sind transferorientiert, kreativ, handlungsbezogen.
  • Lernprozess ist offen oder partizipativ organisiert.
  • Feedback ist dialogisch, reflexiv oder peerbasiert.
  • Lehrkräfte können Auswertungen und Aufgabenstrukturen selbst anpassen.

Pädagogische Implikationen:

Solche Tools eröffnen hohe pädagogische Freiheitsgrade, setzen aber auch didaktische Klarheit und Selbststeuerungskompetenzen bei Lernenden voraus. Sie eignen sich besonders für Projektlernen, fächerübergreifende Themen und reflektierende Phasen. Herausfordernd kann sein, die Offenheit produktiv zu strukturieren und Lernprozesse sichtbar zu machen.

Reflexionsimpulse:

  • Welche Formen der Dokumentation oder des Austauschs könnten den Lernertrag erhöhen?
  • Welche Freiräume bietet das Tool, und wie können Sie sie gezielt nutzen?
  • Wie lassen sich Reflexion und kreative Produktion im Unterricht verankern?
  • Inwiefern fordert oder fördert das Tool kritisches Denken über Lernprozesse selbst?

Für weiterführende Reflexionen

Nutzen Sie zur Vertiefung auch diese weiterführenden Reflexionsimpulse zu Themen wie Inklusion, Datenschutz, technischen Voraussetzungen, Gesundheit, pädagogischer Gestaltung, kollegialem Austausch, Steuerung von Lernprozessen sowie Darstellung von Lerninhalten, Lernleistungen und Feedback.


Weiterführende Links

Entdecken Sie hier weiterführende Materialien und Tools, mit denen Sie die pädagogischen und datenschutzbezogenen Aspekte digitaler Lernangebote noch gezielter reflektieren können.

  • datenschutz-schule.info
    Die Seite bietet Unterstützung durch Informationen und die Bereitstellung von Vorlagen für die Erstellung von Informationsschreiben, Einwilligungen und das Verzeichnis von Verarbeitungstätigkeiten, sowie Lösch- und Sicherheitskonzept sowie die Beantwortung von Auskunftsersuchen.
  • privacy.commonsense.org/evaluations
    Ziel des Angebots ist es, Eltern, Lehrkräfte und Schulträger zu befähigen, digitale Lern- und Bildungstools hinsichtlich ihrer Datenschutz- und Sicherheits­praktiken gezielt zu bewerten und so verantwortungsvolle Entscheidungen im Schulkontext zu treffen.
  • educheck.schule/
    Im Projekt eduCheck digital wird ein Prüfverfahren für digitale Bildungsmedien entwickelt, um Lernplattformen u.a. nach den Kriterien Technik, Recht, Benutzerfreundlichkeit und Barrierefreiheit zu prüfen. Zum Beispiel wird geprüft, ob Lern-Apps werbefrei sind oder Datenschutzbestimmungen genügen.
  • aaer.digillab.uni-augsburg.de/survey.html
    Das Augsburger Analyse- und Evaluationsraster war eine große Inspiration für den EdTechReflektor. Der interaktive Fragebogen hilft in der Einschätzung der pädagogischen Eignung von (nicht nur digitalen) Bildungsmedien.
CC_by-sa

Der EdTechReflektor steht unter einer freien Lizenz (CC BY-SA 4.0). Entsprechend dürfen Sie alle Inhalte weitergeben, in öffentlichen und privaten Kontexten nutzen, neu oder anders zusammensetzen, oder eigene Teile hinzufügen, insofern Sie geänderte Versionen ebenfalls frei zur Verfügung stellen und die Autor*innen nennen:
Iza Czarnojan, Sigrid Hartong, Sieglinde Jornitz, Felicitas Macgilchrist, Christoph Richter, Ina Sander, Nadja Schürmann (2026). EdTechReflektor 2.0. Ein Angebot für die pädagogische Reflexion des Einsatzes digitaler Bildungsmedien.

Näheres hierzu finden Sie unter https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/.

Der EdTechReflektor ist aus einer Kooperation von UNBLACK THE BOX mit The Basement, dem Digital Lab des Leibniz-Instituts für Bildungsmedien entstanden. Die Umsetzung wurde mit Mitteln der Helmut-Schmidt-Universität, des Leibniz-Instituts für Bildungsmedien | Georg-Eckert-Institut sowie der Georg-August-Universität Göttingen gefördert. Eine erste Version des EdTechReflektors wurde 2023 veröffentlicht und ist hier in unserem Archiv verfügbar.