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Liebe LeserInnen,

wir hoffen, Sie sind gut im neuen Jahr angekommen. Die Zeit rund um den Jahreswechsel bot hoffentlich Gelegenheit, innezuhalten, Abstand zu gewinnen und neue Kraft zu schöpfen, um nun mit frischem Blick in die aktuellen digitalen Debatten zu starten.

In dieser Ausgabe widmen wir uns unter anderem dem sogenannten „Digitalen Omnibus“ der Europäischen Kommission und berichten über einen offenen Brief, den UNBLACK THE BOX gemeinsam mit zahlreichen weiteren Organisationen unterzeichnet hat.

Darüber hinaus kündigen wir eine internationale OER-Test- und Reflexionssession im Februar an, empfehlen eine neue, niedrigschwellige Ressource zu den Umweltkosten der KI-Lieferkette und greifen in einem Kommentar die anhaltende Smartphone-Debatte kritisch auf.

Wie immer wünschen wir viel Freude beim Lesen und Stöbern und freuen uns über Rückmeldungen und Anregungen.

Herzliche Grüße,

Ihr UBTB-Team

Aktuelles bei UBTB

Offener Brief zum Digitalen Omnibus

Die Europäische Kommission will im Rahmen des Maßnahmenpakets „Digitaler Omnibus” mehrere Gesetze für digitale Grundrechte in Teilen neu prüfen und diese möglicherweise ändern. Dazu zählen die DSGVO, die ePrivacy-Richtlinie und das KI-Gesetz. Was von der Europäischen Kommision vor allem als Vereinfachung präsentiert wurde, birgt das Risiko einer Aushöhlung bestehender Schutzmechanismen rund um Datenschutz, algorithmische Entscheidungssysteme und demokratische Kontrolle.

Das Netzwerk People vs. Big Tech warnt, dass dieser Schritt den größten Rückbau digitaler Schutzrechte in der EU-Geschichte darstellen könnte. Diese Reformen würden Big-Tech-Konzernen weitreichende Handlungsspielräume geben, die potenziell auf Kosten von Privatsphäre, Menschenrechten und demokratischer Integrität gehen.

UNBLACK THE BOX hat daher gemeinsam mit über 100 weiteren Organisationen einen offenen Brief unterzeichnet. Darin wird die Europäische Kommission aufgefordert, jegliche Wiederöffnung oder Abschwächung zentraler Schutzgesetze wie der DSGVO, des ePrivacy-Rahmens oder des KI-Gesetzes umgehend zu stoppen. Außerdem sollen die bestehenden digitalen Schutz- und Grundrechte konsequent verteidigt und durchgesetzt sowie die demokratische Verantwortlichkeit und die Einbindung zivilgesellschaftlicher Akteur*innen sichergestellt werden. Mit der Unterzeichnung des offenen Briefs schließt sich UNBLACK THE BOX der zivilgesellschaftlichen Forderung nach dem Erhalt zentraler digitaler Schutzrechte an.

Ressourcen & Empfehlungen

„Einfach erklärt": Die Umweltkosten der KI-Lieferkette – AlgorithmWatch

Wir möchten Ihnen in diesem Newsletter außerdem wärmstens einen Beitrag von AlgorithmWatch empfehlen, der die ökologischen Kosten von KI-Systemen entlang ihrer gesamten Lieferkette in den Blick nimmt. Der Beitrag zeigt, wie Rohstoffabbau, energieintensive Rechenzentren und globale Infrastrukturen zentrale, bislang oft noch unsichtbare Voraussetzungen für den Einsatz von KI darstellen. Dabei macht der Beitrag deutlich, dass diese Voraussetzungen mit erheblichen ökologischen Folgen verbunden sind.

Da die im Beitrag dargestellten Kosten für die Umwelt auch durch Lernplattformen, Schulsoftware und weitere auf KI basierende EdTech-Angebote verursacht werden, möchten wir von UNBLACK THE BOX gerne auf diese aufmerksam machen und dazu anregen, den Blick auf ökologische und soziale Konsequenzen zu lenken und Bildungstechnologien auch unter dem Gesichtspunkt von Nachhaltigkeit und Verantwortung zu diskutieren.

Zum Beitrag
Veranstaltungen

Internationale OER Test- & Reflexionssession

24. Februar | 12-14 Uhr

Im Kontext des Erasmus+-Projekts „Anchoring Ethical Technology (AI and Data) Usage in the Education Practice (ETH-TECH)“ findet am 24. Februar 2026 von 12-14 Uhr eine internationale Test- und Reflexionssession für die im Projekt entwickelten Open Educational Resources (OER), also offene Bildungsmaterialien, statt. Das aus italienischen, spanischen, rumänischen und deutschen WissenschaftlerInnen und MedienpädagogInnen bestehende Projekt befasst sich mit ethischer Technologie- und KI-Gestaltung in der Hochschullehre, insbesondere mit Blick auf Lehramt sowie erziehungswissenschaftliche Studiengänge.

Aktuell werden, koordiniert von den UNBLACK THE BOX-Mitgliedern Sigrid Hartong und Ina Sander, konkrete Anwendungsmaterialien für eine ethische Reflexion von Technologienutzung in der Bildung, insbesondere mit Blick auf Fragen rund um Transparenz, Nichtdiskriminierung und menschliche Aufsicht, entwickelt. Am 24. Februar sollen diese OER-Entwürfe vor ihrer offiziellen Veröffentlichung getestet und Feedback zur Verbesserung eingeholt werden. Weitere Informationen zur Veranstaltung finden Sie hier, und hier geht es direkt zur Anmeldung. Wir freuen uns sehr über alle Perspektiven, auch aus der Praxis und von Studierenden!

Kommentare & Einblicke in die Arbeit unserer Mitglieder

Smartphone-Regelungen an Schulen – Warum es gut ist, dass sich (nicht nur) in Deutschland etwas tut und warum es mehr braucht als nur Verbote.

Ein Kommentar der UNBLACK THE BOX-Mitglieder Sieglinde Jornitz und Paula Bleckmann

Es hat sich etwas gedreht, und zwar weltweit. Der Einsatz von Smartphones und die Nutzung des Internets wird bildungspolitisch längst nicht mehr so ausnahmslos befürwortet wie noch vor wenigen Jahren, einem „mehr ist besser”-Einsatz nicht mehr bedingungslos das Wort geredet. Die vermehrten Studien zu gesundheitlichen Risiken, Suchtgefahren und der ungeschützte Zugang zu Gewaltdarstellungen und Pornographie haben dazu geführt, dass in die Debatte um den Einsatz digitaler Instrumente eine Sachlichkeit einziehen konnte, die einen Austausch verschiedener Argumente und Perspektiven möglich macht. Für eine relativ umfassende Diskussion sind das Webinar der OECD-Deutschland Sektion „Zwischen Apps und Alltag – Aufwachsen in einer digitalen Welt“ im September 2025¹ und der Lunchtalk der Leopoldina im Dezember 2025 zum Thema „Digitale Verantwortung – Wie gestalten wir soziale Medien für junge Menschen?“² gute Beispiele. 
Ein großer Schritt nach vorne ist es, wenn in Berichten über Forschungsergebnisse der Nutzungskontext explizit genannt wird. Tatsächlich beziehen sich diejenigen Studien, die über negative Auswirkungen auf die Kindergesundheit berichten, vor allem auf die Nutzung von Digitalgeräten im Kontext Familie und Freizeit. Wesentlich inkonsistentere Befunde ergeben sich, wenn man auf den pädagogisch intendierten Einsatz in der Schule blickt³. In der „alternativen Checkliste“ beleuchten wir diesen wichtigen Unterschied und auch die komplexe Wechselwirkung zwischen beiden Nutzungskontexten⁴. Allein die Tatsache, dass die Gesamtbildschirmzeit zunimmt, spricht dafür, beide Kontexte auch gemeinsam zu betrachten. Eine Forschungslücke findet sich immer noch gerade in dem Bereich, der für bildungspolitische Entscheidungen am relevantesten wäre, nämlich die langfristigen Auswirkungen der schulischen Nutzung auf Outcomes jenseits von quantifizierten Lernleistungen, wie z.B. auf die Konzentrationsfähigkeit, die intrinsische Lernmotivation, die sozialen Fähigkeiten oder das Risiko für digitale Süchte.

Indessen wird in Europa die Zahl der Länder größer, die ein Smartphone-Verbot für Schulen erlassen haben. Zu diesen gehören derzeit Dänemark, Finnland, Frankreich, Italien, Großbritannien, Niederlande und Österreich⁵. Auch in Deutschland haben inzwischen alle Bundesländer Regeln für die Nutzung von Schüler-eigenen Smartphones in der Schule erlassen bzw. haben die Aufforderung an die Schulen übergeben, je eigene Regeln zu erstellen⁶. Und auch Elterninitiativen haben sich gebildet (vgl. www.smarterstartab14.de).
Wirft man nun einen Blick in die bestehenden Regelungen und Maßnahmen der Länder sowie in die vorliegenden Empfehlungen der OECD und der Leopoldina, so fällt Folgendes auf: Es geht vor allem um ein Zurückdrängen der Smartphones und der Nutzung digitaler Angebote im Leben der Heranwachsenden. Dabei scheint aus dem Blick zu geraten, wie Schulen die digitale Nutzung begleiten, ohne auf die Thematisierung von Risiken zu verzichten oder ihren sinnvollen Einsatz im Unterricht auszuschließen. Im Kern muss es unseres Erachtens darum gehen, nicht nur das Analoge zurückzuholen, sondern für die Verschränkung des Analogen mit dem Digitalen eine Antwort zu finden, die die Heranwachsenden nicht schutzlos ausliefert, sondern sie pädagogisch zur Mündigkeit auch im Digitalen begleitet⁷.  
In dieser Perspektive, die das Analoge und Digitale für die verschiedenen Lebensräume – Schule und Freizeit/Elternhaus – im Blick behält, wird ein Möglichkeitsraum für die Heranwachsenden und Schüler:innen eröffnet, der sie in die Lage versetzt, sich selbst im Digitalen und Analogen zu erfahren und sie dazu führt, Entscheidungen für sich und andere (bewusst) zu treffen.

Beispielhaft sei hier auf das Pilotprojekt CASA im Rahmen des Präventionsprogramms „ECHT DABEI – gesund groß werden im digitalen Zeitalter“ (www.echt-dabei.de) verwiesen. An zwei Grundschulen (ab Dezember 2025) wird die Erarbeitung ganzheitlicher schulischer Medienregelungen über reine Smartphoneverbote hinaus begleitet. Es soll eine konzentrations-, beziehungs-, und lernförderliche Lernumgebung geschaffen werden, in der Kinder auch vor Digital-Risiken bestmöglich geschützt werden. Entsprechend steht das C für Connection, das A für Attention, das S für Safety und das A für Academic Progress. Im Unterschied zu vielen Smartphone-Regelungen betrachtet CASA nicht nur die Nutzung privater Endgeräte im Schulkontext durch Schüler:innen, sondern auch die Smartphonenutzung durch Lehrkräfte und Eltern.
Nicht nur wegen der Vorbild-Funktion der erwachsenen Bezugspersonen für die Schüler:innen erscheint dies wichtig, sondern auch zum Selbstschutz. Für viele Pädagog:innen ist mittlerweile die gefühlte oder tatsächliche Verpflichtung zur Dauer-Erreichbarkeit ein ernstzunehmendes Gesundheitsrisiko geworden. Auf Europa-Ebene besteht mit dem „Right to disconnect“ hier auch eine rechtliche Grundlage, dieses Problem einzuhegen. Ebenso werden eher am Rande bei CASA auch Fragen zur pädagogisch intendierten Nutzung gestellt. Das ist wichtig, da viele Smartphone-Regelungen auch Ausnahmen im Falle der erforderlich erscheinenden Nutzung im Unterricht enthalten. 
CASA ist in Kooperation mit dem europäischen HERMMES Projekt entstanden, innerhalb dessen ein solcher umfassenderer Blick auf Medienbildung für ein deutlich breiteres Altersspektrum von der Krippe bis zur Oberstufe dargestellt ist⁸. 

Helfen können Bildungseinrichtungen folgende Impulsfragen, die aus dem ECHT DABEI CASA Modul stammen:

  • Was tun wir, um bildschirmfreie Pausen attraktiv zu gestalten und um ggf. in einer Übergangszeit bei Einführung neuer Regeln die Einhaltung zu unterstützen (z.B. neue Spielgeräte für Draußen-Pause, doppelte Pausenaufsicht für Spielangebote und Verbotskontrolle, …)?
  • Wie gestalten wir eine zum Alter passende Schüler:innen-Partizipation bei der Ausgestaltung der Regelungen (z.B. Mitgestaltung der bildschirmfreien Pausengestaltung oder Regelungen bei Nicht-Einhaltung, aber Grenzen der Partizipation bei der Grundsatz-Entscheidung für oder gegen Smartphone-Verbote)?
  • Welche analogen Wege nutzen wir zur Vermittlung von Medienkompetenz und Informatik? (www.analog-digidaktik.de)
  • Für welche Altersgruppen, Räume und Zielsetzungen und in welchen Kontexten und Lernphasen ist der Einsatz von EdTech nützlich bzw. nicht zielführend oder wenig wirksam?
  • Wie schützen wir durch eine klare Trennung von Arbeit und Freizeit die Gesundheit und Privatsphäre der Lehrkräfte („Right to Disconnect“)? Wie gewährleisten wir dabei gleichzeitig die nötige Erreichbarkeit und Kommunikation zwischen Schulleitung, Kollegium, Schuleltern und eigener Familie?
  • Welche Leitlinien, Regeln und Verträge sind sinnvoll, was die Nutzung von Digitalgeräten durch Lehrkräfte sowohl im Unterricht zur Unterstützung von Lernprozessen der Schüler:innen wie auch zur Unterrichtsvorbereitung angeht? Wie setzen wir diese um? (vgl. auch www.unblackthebox.org; EdTech-Reflektor / alternative Checkliste)
  • Welche Leitlinien und Regeln für die private Nutzung von Digitalgeräten durch Eltern und andere Erziehungsverantwortliche auf dem Schulgelände wollen wir? Und wie unterstützen wir deren Einhaltung und Umsetzung?
  • Wie können wir als Schule und Lehrkräfte den durch Marketing und Werbung erzeugten sozialen Druck für eine frühe Geräteanschaffung und eine frühe Hightech-Bildung reduzieren und die Eltern sowohl auf individueller wie kollektiver Ebene bei einer erst späteren Anschaffung von digitalen Geräten unterstützen? 

Abschließend bedeutet es, bei den derzeit entstehenden Verbotsregelungen zur Smartphonenutzung an Schulen im Blick zu behalten, dass Heranwachsenden analoge und digitale Erfahrungen in Schule ermöglicht werden sollten und dass für beide pädagogisch gilt, für einen angemessenen Schutz zu sorgen.

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1 Der Videomitschnitt des Webinar ist abrufbar unter: https://www.oecd.org/de/events/2025/09/how-s-life-for-children-in-the-digital-age--digitalisierung.html
2 Informationen zum Lunchtalk der Leopoldina: https://www.leopoldina.org/ergebnisse-und-termine/veranstaltungen/detail/digitale-verantwortung-wie-gestalten-wir-soziale-medien-fuer-junge-menschen. Der Videomitschnitt soll demnächst zugänglich sein unter: https://www.youtube.com/channel/UCTRtGeJT-mFjZ81-3JAfUKg
3 Vgl. z.B. den Vortrag von Prof. Klaus Zierer https://www.youtube.com/watch?v=GMCjAqOwPKI oder sein Buch „Lernen 4.0 - Pädagogik vor Technik“.
4 https://unblackthebox.org/wp-content/uploads/2021/08/UBTB_Onepager_Psychosoziale_Folgen.pdf
5 Siehe hier Darstellung im Deutschen Schulportal: https://deutsches-schulportal.de/schulkultur/immer-mehr-laender-verbannen-das-handy-aus-dem-unterricht/ (Stand: 9.05.2025).
6 Siehe hierzu die Zusammenstellung der Regelungen in den Bundesländern beim Deutschen Bildungsserver: https://www.bildungsserver.de/schule/handyverbot-in-der-schule-13214-de.html?e_c=Newsletter_Ausgabe_16_2025&e_a=Aktuelles&e_n=Akt_Link_1. Eine Darstellung dieser Regelungen findet sich auch auf dem deutschen Schulportal:  https://deutsches-schulportal.de/schulkultur/handyverbot-an-schulen-ja-oder-nein-was-sagen-die-studien/#regelungen-und-plaene-zum-handyverbot-in-den-bundeslaendern
7 Verbote, also Regelungen, die die Smartphonenutzung gerade der jüngeren Schüler:innen einschränken, und Medienbildung stellen dabei keinen Widerspruch dar, weshalb wir die meisten medialen Reaktionen auf die Publikation „Medienbildung statt Verbote“ https://www.dkhw.de/informieren/im-ueberblick/aktuelles/nachricht/medienbildung-statt-verbote-bundeselternrat-gmk-deutsches-kinderhilfswerk-d64-fordern-keine-pauschalen-handyverbote-an-schulen/ nicht nachvollziehen können. Es braucht sicherlich beides, Verbote und Medienbildung, wie ein kritischer Elternblogger mit Blick auf die Debatte um Social Media „Verbote“ richtigerweise kommentiert: https://www.medienzeit-elternblog.de/blog/kinderhilfswerk-gegen-social-media-verbot
8 Siehe hierzu: https://hermmes.eu/wp-content/uploads/2025/02/HERMMES-COMMUNITY-AND-CULTURE-GUIDE.pdf und  https://hermmes.eu/curriculum/

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