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Liebe LeserInnen,

wir hoffen, Sie sind gut im Spätsommer angekommen und haben ein bisschen Zeit, in die neue Ausgabe unseres Newsletters einzutauchen. 

Ein Highlight, das wir Ihnen dieses Mal vorstellen möchten, ist Sieglinde Jornitz' neues Lehrkonzept für LehrerInnen und WeiterbildnerInnen, welches Sie ab sofort auf unserer Webseite finden können. Außerdem empfehlen wir Ihnen Mark Wests Buch "An Ed Tech Tragedy“, einen Blogbeitrag von David Buckingham sowie den Entwurf eines neuen KI-Kompetenzrahmens für Schulen, den Sie aktuell noch im Rahmen einer Umfrage bewerten und kritisch kommentieren können. 

Ein weiteres und hochaktuelles Thema in diesem Newsletter ist das viel diskutierte Diskussionspapier der Leopoldina zur Social-Media-Nutzung von Kindern und Jugendlichen, das auch aus UBTB-Perspektive interessante Impulse liefert. Zu guter Letzt möchten wir Ihnen einen Einblick in die Arbeit von UBTB-Mitglied Annika Gramoll geben, die von der Fachtagung „Ready2Pair – Spiele in der politischen Bildung“ berichtet und ihre Erkenntnisse daraus teilt.

Wie immer wünschen wir viel Freude beim Lesen und freuen uns über Rückmeldungen und Anregungen!

Herzliche Grüße,

Ihr UBTB-Team

Aktuelles bei UBTB

Neues Lehrkonzept von Sieglinde Jornitz

Wir freuen uns sehr, Ihnen das neue Lehrkonzept von UBTB-Mitglied Sieglinde Jornitz zum Thema “Lernplattformen bewerten und analysieren” vorzustellen! Das sieben Module umfassende Seminar soll LehrerInnen sowie Personen in der Lehrkräfteweiterbildung eine (kritische) Auseinandersetzung mit Lernplattformen ermöglichen. Neben der Vermittlung von theoretischen Grundlagen schlägt das Konzept praktische Analysephasen vor, in denen gängige Lernplattformen untersucht und diskutiert werden. Am Ende des Seminars sollen die Teilnehmenden über eine Systematik verfügen, mit der sie digitale Lernplattformen kritisch im Hinblick auf ihren pädagogischen Einsatz beurteilen können.

Ressourcen & Empfehlungen

Altersgrenzen für Social Media: Diskussionspapier empfiehlt besseren Schutz von Kindern und Jugendlichen

Auch wenn wir bei UBTB uns vorrangig mit der Reflexion von digitalen und datenbasierten Lehr- und Lernmedien sowie der Bildung über diese befassen, möchten wir Ihnen dieses Diskussionspapier der Leopoldina Nationalen Akademie der Wissenschaften zur Social Media-Nutzung von Kindern und Jugendlichen nicht vorenthalten. In diesem empfehlen die Autoren und Autorinnen unter anderem die Einführung verbindlicher Altersgrenzen für Social Media-Plattformen, eine staatlich geprüfte Altersverifikation sowie eine bessere Aufklärung über algorithmische Mechanismen und Plattformlogiken. Im Sinne des Vorsorgeprinzips reagieren die VerfasserInnen des Diskussionspapiers damit auf die aktuelle Studienlage, die einen Zusammenhang zwischen wachsenden psychischen Belastungen bei Kindern und Jugendlichen und der Nutzung von Social Media zwar noch nicht sicher bestätigt, aber stark vermuten lässt.

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Neuer KI-Kompetenzrahmen in Arbeit - Beteiligung erwünscht

Aktuell wird ein neuer KI Kompetenzrahmen für die Primar- und Sekundarstufe mit dem Titel „Befähigung von Lernenden für das Zeitalter der KI", erarbeitet, initiiert von der Europäischen Kommission und der OECD, mit Unterstützung von code.org. Obgleich der Entwurf sich durchaus positiv von anderen noch stärker auf den Erwerb von KI-Anwendungs-Fertigkeiten abzielenden Kompetenzmodellen unterscheidet, gibt es aus UBTB-Perspektive auch Schwächen. Es kann beispielsweise hinterfragt werden, inwiefern eine "informierte und sichere" Nutzung von KI überhaupt möglich ist angesichts der Komplexität technologischer und gesellschaftlicher Entwicklungen - insbesondere für Kinder im Grundschulalter. Zudem ist oftmals keine Wahl mehr möglich, wenn KI by default in Anwendungen eingebaut ist. Insgesamt schienen uns beim Lesen des Entwurfs Probleme, die mit KI einhergehen, eher aus der Perspektive eines technischen Bias, und nicht in ihrer planetaren Dimension betrachtet zu werden. 

In einer Umfrage der EntwicklerInnen kann Feedback auf den Entwurf gegeben werden. Wir laden Sie also herzlich zur (kritischen) Lektüre und zur Teilnahme an dem Survey ein.

Zum Diskussionspapier

Blogbeitrag von David Buckingham: “Media literacy: a case of policy failure”

Im Juli veröffentlichte das Oberhaus des britischen Parlaments (House of Lords) einen Bericht zum Thema "Media Literacy". Darin wird festgestellt, dass Medienbildung zwar seit Jahren Thema in politischen Debatten ist, in der Praxis, beispielsweise im Schulbereich, aber weitgehend unzureichend umgesetzt wird.

Der Medienpädagoge David Buckingham nimmt diesen Bericht in einem aktuellen Blogbeitrag zum Anlass, um die Kritik an der britischen Medienbildung zu vertiefen und einzuordnen. Unter dem Titel “Media Literacy: A Case of Policy Failure” wirft er einen kritischen Blick zurück auf bildungspolitische Entwicklungen der letzten Jahrzehnte, die seiner Ansicht nach maßgeblich zu den heutigen Versäumnissen beigetragen haben. Im Zentrum der Kritik steht, dass das anfangs ambitionierte Vorhaben, über weite Strecken unterfinanziert, politisch uneindeutig und entpolitisiert blieb. Media Literacy wurde in der britischen Medienbildung vor allem im Sinne rein technischer Kompetenzen verstanden, während kritisch-reflexive Perspektiven eher marginal blieben.

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Mark West - an EdTech Tragedy erscheint als Buch bei Routledge

Bereits 2023 erschien eine Open Access Online-Version von Mark Wests sehr lesenswertem Buch „An Ed Tech Tragedy - Educational Technologies and School Closures in the Time of COVID-19". Wir nehmen die Veröffentlichung als Buch bei Routledge zum Anlass (Versand ab Ende September), die Lektüre wärmstens zu empfehlen. West nimmt die griechische Tragödie als Dreiakter als Hintergrund, um zuerst von hohen Erwartungen, dann von großen Enttäuschungen und dann von Konsequenzen für die Zukunft der Bildung zu schreiben. Hervorzuheben ist, dass West eine umfangreiche Literaturrecherche zu den Auswirkungen der Digitalisierung im "Notfall-Modus" der pandemiebedingten Schulschließungen vornimmt, die über englischsprachige Veröffentlichungen hinausgeht und globale Quellen einbezieht. In der Zusammenfassung der Ergebnisse beschreibt West Probleme auf verschiedensten Ebenen, von Gesundheit und Sicherheit über Überwachung und Umwelt. Auch einzelne alternative und weniger technologie-dominierte Antworten auf die COVID-19 Disruption mit Potenzial für inklusivere und gerechtere Bildungschancen werden von West beleuchtet und zeigen auf, wie es anders gehen könnte.

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Veranstaltungen

ETH-TECH: International Awareness Raising Session

30.09.2025 I 14-18:30 Uhr

Das Erasmus+ Projekt „Anchoring Ethical Technology (AI and Data) Usage in the Education Practice (ETH-TECH)“, in dem unter anderem die UNBLACK THE BOX-Mitglieder Sigrid Hartong und Ina Sander tätig sind, veranstaltet am 30.09. von 14-18:30 Uhr eine Internationale Awareness Raising Session. In der Veranstaltung werden erste Ergebnisse des Projekts vorgestellt, z.B. eine Analyse internationaler Hochschul-Modulhandbücher in Bezug auf ethische Perspektiven auf Technologien, sowie ein im Projekt entwickeltes „Framework for Practice“ zur Förderung von ethischen Perspektiven auf KI und Daten in der Bildung. Zudem werden die nächsten Schritte im Projekt und die GewinnerInnen eines Kunstwettbewerbs zum Thema „AI and Data in Education through the Lenses of Art“ vorgestellt. Mehr Informationen zum Programm sowie der Registrierung.

Kommentare & Einblicke in die Arbeit unserer Mitglieder

Ready2Pair – Ready2Share

Potenziale von Spielen in der politischen Bildung

Ein Einblick in die Arbeit von UNBLACK THE BOX – Mitglied Annika Gramoll 

„ready to pair…“ wird von einer elektronischen Stimme angesagt, wenn Lautsprecher eingeschaltet sind, um sich über Bluetooth mit anderen Geräten zu verbinden. Auf der Fachtagung „Ready2Pair – Spiele in der politischen Bildung“ hat die Evangelische Trägergruppe für gesellschaftspolitische Jugendbildung (et)", bei der UNBLACK THE BOX-Mitglied Annika Gramoll als Referentin für politische Jugendbildung arbeitet, analog dazu Spiele und politische Bildung miteinander verbunden. Kernfragen waren dabei: Was sind die Herausforderungen, die beim Entwickeln und Einsetzen von Game-based Learning Methoden entstehen? Wie gelingt es, Methoden und Spiele mit Prozessen und Fragestellungen der gesellschaftspolitischen Bildung zu verbinden? Welche Erfahrungen gibt es aus der Praxis mit Jugendlichen und welche aktuellen Erkenntnisse gibt es aus empirischen Untersuchungen?

Ready to connect

Genau zu diesen Fragen fand die Fachtagung statt. Die Tagung war als wildes Bastellabor konzipiert, in dem Methoden angespielt, Neues ausprobiert und kritisch reflektiert werden konnte, um so den Potenzialen, aber auch Herausforderungen, Grenzen und Möglichkeiten von Spielen in der politischen Bildung mit viel Fachexpertise aus unterschiedlichen Feldern auf den Grund zu gehen. Für unsere Newsletter-Leser*innen besonders relevant sind vermutlich die neuen Erkenntnisse zu spielerischen Methoden der politischen Bildung, die ich in diesem Text zusammenfassen möchte.

Ready to play

Der Fokus des ersten Tages lag auf dem Ausprobieren verschiedener Methoden. Je zwei Methoden waren einer von vier Kategorien zugeordnet, damit konnten also insgesamt acht verschiedene Workshops stattfinden:

1. Chat Games: Die beiden vorgestellten Methoden eint, dass sie über eine App spielbar sind und die Spieler*innen über einen Chat kommunizieren. In dem Serious Game ‚Mission Ganymed‘ (et) wird eine Verschwörung aufgedeckt und bei ‚The Feed‘ (LFK Die Medienanstalt Baden-Württemberg) findet eine Auseinandersetzung über die Nutzung von Social Media Plattformen statt.

2. Escape Games: Die Teilnehmer*innen hatten die Möglichkeit, zwei verschiede Escape Games auszuprobieren, in denen Rätsel gelöst werden. ‚Rätselräume‘ (KIgA e.V.) findet als Brettspiel mit Rätselkarten statt, die Spieler*innen rätseln sich dabei durch Wohnhausgeschosse, ihre Bewohner*innen und ihre Geschichten. In ‚General Solutions – Das Escape Game‘ (et) lösen die Spieler*innen in einem mobilen, aufgebauten Escape Game Aufgaben und setzen sich mit Fragen von Datafizierung, informationeller Selbstbestimmung und Nutzungsverhalten auseinander.

3. Szenario Games: In dieser Kategorie finden sich die Spieler*innen an Orten der historisch-politischen Bildung wieder. Bei ‚Erinnern. Die Kinder vom Bullenhuser Damm‘ (Stiftung Hamburger Gedenkstätten und Lernorte), einem App basierten Spiel, versetzen sich die Spielenden in die Perspektive von Schüler*innen der Schule Bullenhuser Damm in den späten 1970er-Jahren und setzen sich dort mit der NS-Vergangenheit des Ortes auseinander. ‚Allersleben‘ (Evangelische Akademie Thüringen), ein analoges Rollenspiel lädt in die gleichnamige thüringische Kleinstadt in die 1980er Jahre der DDR ein und befasst sich mit der Frage des „jung seins“ in der DDR.

4. Creative Games: Eine Perspektive von Spielen in der politischen Bildung ist, dass junge Menschen sie selbst entwickeln und auf diesem Weg ihre Kompetenzen online miteinander erweitern. Bei ‚MineKlima‘ (Evangelische Akademie Sachsen-Anhalt) können Entwürfe für nachhaltige Städte in einer Minecraft-Umgebung gebaut werden. Auf ‚Construct 3‘ liegt der Fokus auf dem Programmieren lernen. Dort ist die Aufgabe ein Jump and Run-Spiel zu entwickeln.

Durch die Aufteilung in vier Kategorien war es möglich, zwei methodische Zugänge zu einem Spieltyp kennenzulernen. Escape Games können etwa auf vielfältige Weise stattfinden – wahlweise mit hohem oder niedrigem Materialaufwand. Unterschiedliche Zugänge boten die Szenario Games, einmal als analoges Spiel und digital gestützt. Diskussionspunkt bei Chat Games sind die mehr oder weniger stark vorgegebenen Antwortmöglichkeiten oder andersherum: wie viel Freiheit haben die Spieler*innen in ihren Antworten? Die Frage nach dem Gestaltungsraum fand sich in den Creative Games wieder, so bot eine Oberfläche die Möglichkeit, eine Computerwelt völlig neu zu entwickeln, während die andere schon eine fertige Gestaltung liefert, in der gebaut werden kann.

Ready to develop

Zwischen den Praxiseinblicken bot Prof. Dr. Monika Oberle (Goethe Universität Frankfurt) einen Einblick in aktuelle Forschungserkenntnisse zur Wirkung von Spielen und spielbasierten Methoden. Am Folgetag fanden Fachforen zu den Themen Spielentwicklung, Reflexion und Transfer statt. Kernfragen der Spielentwicklung war die Erreichung eines Lernziels im Spannungsfeld von einerseits einem Spiel, das eher ein aufwändiges Arbeitsblatt ist und andererseits auch den Selbstzweck von Spiel erfüllt. Der Diskurs im Fachforum Reflexion bezog sich auf die Frage, wann und wie die Reflexion in eine Methode eingebettet werden sollte, beispielsweise als immanenter Teil der Methode oder im Anschluss an die Durchführung, und welche Auswirkung dies auf die Erreichung der Lernziele hat. Das Forum Transfer schloss daran an, indem über den didaktisch passenden Moment für den Transfer des erarbeiten in die Lebenswelt Jugendlicher diskutiert wurde.

Ready to share

Ein besonderes Highlight und Triebfeder der Tagung war der Launch des neuesten #etpraxistools ‚Mission Ganymed‘, einer Methode zur Auseinandersetzung mit Verschwörungserzählungen. Der Kern ist ein Serious Game, in dem die Spielenden immer tiefer in eine vermeintliche Verschwörung hineingezogen werden, die sie im Verlauf des Spiels dekonstruieren müssen. Politische Bildner*innen können mit Hilfe von Mission Ganymed Jugendlichen zwischen 13-18 Jahren Wissen über die Eigenschaften von Verschwörungserzählungen vermitteln sowie dabei unterstützen, argumentative Handlungsfähigkeiten zu entwickeln. 

So berichtete das Projektteam von dem Entwicklungsprozess, Erkenntnissen aus Testläufen mit Jugendlichen und der Zusammenarbeit mit der Spielentwicklungsfirma Playing History, die Mission Ganymed als Online-Produkte umgesetzt hat. Der Launch wurde feierlich mit einem Countdown für den Raketenstart zum Jupitermond Ganymed gestartet.

Für die Praxis haben wir dabei mitgenommen: 1. Es gibt eine Vielzahl an probaten Methoden, die sich einzusetzen lohnen, bevor der Weg in eine eigene Spielentwicklung führt. Auch wenn der Prozess der Spielentwicklung selbstverständlich besonders bereichernd ist, lohnt sich der Blick nach außen. 2. Die Weiterentwicklung und Anpassung bestehender Angebote und Methoden auf die eigene Bildungspraxis und Gruppe bringen nicht nur Freude, sondern sind entscheidend, um Lern- und Wirkungsziele erreichen zu können. Das erhöht zwar den Aufwand, lohnt jedoch sehr. 3. Besonders spannenden sind Methoden, bei denen die Reflexion Teil der Methode ist und nicht gesondert ausgelagert wird. Gerade in der Gestaltung der Methode ist viel Potenzial zum Verstehen und weiterführend, Verändern von Verhalten möglich.

 

UNBLACK THE BOX ist eine im Jahr 2019 gegründete Netzwerkinitiative zum Thema Critical Data Literacy. Unser Impressum und unsere Datenschutzerklärung finden sich auf unserer Website.
Wir freuen uns über Anregungen, Hinweise oder Feedback zum Newsletter an info@unblackthebox.org.

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